HUTSCHE, HUTSCHE, DER ACKERMANN SÄT….

 

Wenn dieses Lied im Frühjahr bei uns im Kindergarten erklingt, dann wissen die Kinder, es geht bald zum Säen zu unserem Bauern Schümann.

Vor über 24 Jahren knüpften wir zum ersten Mal den Kontakt zum Schümann-Hof in Brande-Hörnerkirchen.

Wir wussten, dass er schon eng mit der Waldorfschule in Elmshorn zusammenarbeitet und es den Klassen ermöglicht, in die Arbeit eines Bauern eintauchen zu können. So fiel unsere Frage, ob wir nicht auch mal mit den Kindergartenkindern zu ihm kommen könnten, auf offene Ohren.

So fuhren bald darauf Eltern, Erzieher und Kinder zur Möhrenernte auf den Bauernhof.

Seither sind uns die Besuche bei Bauer Schümann zur lieben Gewohnheit geworden. Inzwischen dürfen wir nicht nur im Herbst Möhren ernten, sondern eben im Frühjahr zum Säen und im Sommer zum Ernten kommen. Und es kommen nun auch andere Kindergärten auf den Hof.

Hautnah erleben hier die Kinder und auch die Erwachsenen, wie viel zu tun ist, bevor man in ein frisches Brot oder in eine knackige Möhre beißen kann.

Da müssen schon alle Hände mit anpacken, bis das Feld gepflügt, geeggt und geharkt ist, damit wir dann in Takt und Schritt den Roggen aussäen können.

Dieses Jahr wurden wieder Klein und Groß vor die Egge gespannt, um das Feld mit unser aller Kraft in Stand zu setzen.

 

Da waren, glaube ich, besonders die Großen froh, dass wir uns das gute Schümannbrot nicht immer so hart erarbeiten müssen.

Nachdem das Korn gesät und die Arbeit getan war, durften wir uns wie immer, im schönen Garten bei Schümanns stärken und erholen.

Im Sommer, bald nach Kindergartenbeginn, warten dann schon alle gespannt auf den Tag an dem wir unser mühsam gesätes Korn ernten dürfen. Da ist von allen Geduld und Spontanität gefordert, denn wir erfahren oft erst ein paar Tage vorher, ob das Wetter passt und wir kommen können.

Beim Mähen des Getreides legen wir auch wieder Hand an und Kinder und Eltern schneiden die Ähren mit kleinen Handsicheln oder Scheren ab. Kistenweise nehmen wir es dann mit in den Kindergarten, um es dort mit den Kindern auszudreschen und endlich zu unserem Erntebrot zu verbacken.

 

 

Können Sie sich vorstellen, wie dieses Brot uns allen schmeckt?

Wir sind sehr dankbar, dass wir mit den Kindern die Gelegenheit haben, so aktiv am Leben eines Bauern teilhaben zu können. Für die Kinder ist es eine besondere Freude, sich auf dem Hof frei bewegen zu können, die Tiere, Felder und den Bauernhof im Wechsel der Jahreszeiten zu erleben und die vielen Geschichten über die Zwerge, Riesen und allerlei anderen Helfern vom Bauer     Schümann zu hören.

 

Wen wundert es da noch, dass unser Frühstück und Mittagessen im Kindergarten besonders gern gegessen wird, da doch die Lebensmittel, in denen wirklich Leben steckt, vom Bauer Schümann kommen.

 

 

WAS IST DAS BESTE FÜR MEIN KIND?     

ODER DIE SACHE MIT DEM STUHL…

 

In den letzten Wochen vor den Sommerferien habe ich mich intensiv mit den Kindern, die nun in die Schule kommen, beschäftigt, da ich deren Abschlussberichte geschrieben habe.

Bei den Fragen, wie es um die lebenspraktischen Fähigkeiten, Problemlösung, Frustrationstoleranz etc. bestellt ist, kam ich ins Grübeln. Dabei sind mir Ähnlichkeiten aufgefallen, die ich auch bei vielen anderen Kindern wahrnehmen konnte.

Sich selber anziehen, mit Becher und Besteck umgehen, etc. geht eigentlich bei allen ganz gut. Aber schon bei kleineren „Problemen“ ist bei vielen eine Verunsicherung festzustellen.

An dem Platz eines Kindes (6) steht kein Stuhl. Kind. „Da ist kein Stuhl!“ Ich: „Richtig. Hier ist kein Stuhl.“ Kind, weinerlich fragend: „Wie soll ich mich denn hinsetzen?“  Ein anderes Kind springt auf und holt einen Stuhl vom anderen Tisch für das Kind. Warum kam das Kind nicht selber auf die Idee, sich einen Stuhl zu holen?

Dies ist nur ein kleines Beispiel, ich könnte viele ähnliche anfügen. Gemeinsam ist allen, dass die Kinder vor eigentlich kleinen „Problemen“ stehen, und anscheinend nicht wissen, wie sie die lösen sollen. Fragende und zum Teil auch fordernde Blicke sind an den Erwachsenen, in dem Fall an uns, gerichtet, nun doch bitteschön das Problem zur Zufriedenheit des Kindes zu lösen. Tun wir dies nicht oder gelingt es dem Kind nicht, dann kommt das nächste Problem, nämlich die Frustrationstoleranz, heißt aushalten zu können, dass es nicht nach den momentanen Vorstellungen des Kindes geht. Dies gilt ebenfalls für den Erwachsenen, denn der muss jetzt aushalten und damit umgehen können, dass das Kind jammert, weint, schreit oder sogar um sich schlägt und tobt. Kommt es vielleicht daher, dass wir unseren Kindern zu viel abnehmen, was sie eigentlich selber machen sollten? Lösen wir zu schnell ihre Probleme, trauen wir ihnen zu wenig zu?  Verwöhnen wir sie?

Ein anderes Beispiel: (kein Einzelfall) Ein Kind mag ein bestimmtes Essen nicht, das es aber bisher in der Gruppe gegessen hat. Dies erzählt es der Mutter zu Hause, worauf die Mutter uns dann im Beisein des Kindes erklärt, dass ihr Kind dies nicht essen könne und sie würde an dem Tag immer extra was für ihr Kind mitbringen. Seitdem isst das Kind dieses Gericht natürlich nicht mehr und es kamen nach und nach noch andere Sachen dazu, die es bis dahin problemlos gegessen hatte.

Dieses Beispiel lässt sich auch mühelos erweitern auf Kleidung, Schuhe, mitgebrachtes Spielzeug etc…. und andere „Extrawürste“.

Sicherlich mag hier und da eine berechtigte Begründung vorliegen, in den meisten Fällen ist es jedoch ein schnelles Eingehen und Erfüllen der momentanen Wünsche, (nach Lust und Laune des Kindes) und diese Erfüllung wird oft auf uns übertragen.

Wir unterstützen jedoch die Kinder lieber dabei, sich den Aufgaben und Herausforderungen zu stellen, Angst zu überwinden, auf die Erfüllung eines Wunsches zu warten. Wir trauen ihnen zu, auch mal etwas zu essen, was ihnen nicht so gut schmeckt, etwas zu machen, was ihnen unangenehm ist, und es auszuhalten, wenn es mal nicht nach ihrem Kopf geht.

Denn das ist auch die Aufgabe aus der Waldorfpädagogik heraus.

Die Aufgabe, die Kinder zu unterstützen, sich zu freien, starken und selbständigen Menschen zu entwickeln, die ihr Leben gut in die Hand nehmen können, egal wie die Bedingungen sind.

Dies können wir nur tun, wenn wir empathisch auf die wirklichen Bedürfnisse des Kindes eingehen und sie erfüllen. Dazu müssen wir sehr genau wahrnehmen und beobachten und uns mit allen Sinnen auf das Kind einlassen. Gleichzeitig müssen wir wissen, was für das Kind, für seine Entwicklung gut ist.

Oder mit den Worten von Monika Kiel-Hinrichsen:

Wir müssen eine sichere Atmosphäre für das Kind schaffen, in der Klarheit, Rhythmus und Kontinuität die Grundsäulen sind.

Die positive, emotionale Grundhaltung ist Zuneigung und Wohlwollen.

 

Das Bedürfnis des Kindes ist es, sympathisch in einer sinnvoll gestalteten Umwelt mitzuschwingen. Sie leben noch ganz in der Nachahmung der Erwachsenen in ihrer Umgebung, die ihnen Vorbild sein soll.

An den Erwachsenen will sich das kleine Kind spiegeln; durch Diskussionen und sogenannte freie Entscheidungen ist es überfordert.

Das kleine Kind ist noch nicht in der Lage, Situationen und Lebenszusammenhänge zu überblicken und daraus folgende Entscheidungen zu treffen. Es will sich auf einen Erwachsenen verlassen können, der weiß, was für das Kind gut ist und ihm die Last der Entscheidung abnimmt. Es will am Vorbild lernen dürfen; beobachten wie der Erwachsene mit ihm, mit sich, der Umwelt, Situationen und Konflikten umgeht. Dann kann es frei und seiner Entwicklung entsprechend in die Nachahmung gehen und ausprobieren wie die Welt funktioniert. Vorausgesetzt es wird nicht von überfürsorglichen Erwachsenen daran gehindert.

Erwachsene, die ihren Kindern zu große Entscheidungsräume lassen, schwächen damit die Lebenskräfte des Kindes, die es eigentlich zum Aufbau seines Leibes braucht.

Ein Erwachsener, der kein ausreichendes Vorbild gibt, sondern das Kind nach Lust und Laune entscheiden lässt, setzt eine emotionale Reife voraus, die sich erst im Schulalter langsam entwickelt.

Aus diesem Wissen heraus fällt es uns natürlich schwer, das auf uns übertragene Erfüllen der kindlichen Wünsche und anscheinender Bedürfnisse der Kinder mit unseren pädagogischen Auftrag in Einklang zu bringen. Da treffen wir nicht selten auf das Unverständnis besorgter Eltern, die logischerweise für ihr Kind sorgen und das Beste für ihr Kind anstreben.

Nur was ist das Beste?  Das ist sicher nicht immer leicht rauszufinden, aber wo sich Pädagogen aus allen Bereichen einig sind – Verwöhnen und dem Kind alle Steine und Steinchen aus dem Weg zu räumen ist es sicher nicht.

Ein Zuviel von etwas Gutem ist Verwöhnung, jedoch nur bei oberflächlicher Betrachtung. Sieht man sich einmal an, warum Eltern verwöhnen und in welchen Bereichen sie es tun, so zeigt sich, dass Verwöhnung eher einen Mangel aufzeigt: „Verwöhnung ist eine Form der Vernachlässigung„, sagt Jürgen F. Detering, Pädagoge, Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche und Psychoanalytiker, „es ist ein Zuwenig an Auseinandersetzung, an Anleitung, an Förderung, Forderung und ein Zuwenig an kritischem Hinterfragen.“ Und weiter führt er aus:

Wenn einem Kind jeder materielle Wunsch erfüllt wird, so verbirgt sich dahinter ein Zuwenig an kritischer Auseinandersetzung der Mutter oder des Vaters mit Konsum, ein Zuwenig an Schutz vor der Überbewertung von Dingen, ein Zuwenig an Mut, Nein zu sagen und den Protest des Kindes auszuhalten. Wenn einem Kind alle Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden und es keine Pflichten übernehmen muss, so steckt dahinter auf der Elternseite ein Zuwenig an Bereitschaft, Konflikte (zum Beispiel ums Aufräumen) auszutragen, ein Mangel an Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes, und ein Mangel an Anleitung und Zeit, die es kostet, einem Kind dabei zu helfen, Aufgaben des Alltags selbst zu bewältigen.

Es ist jedoch auch wichtig zu sehen, dass Verwöhnung zwar unter dem Deckmantel der Zuwendung zum Kind auftritt, in Wahrheit aber eher Bedürfnisse von Eltern befriedigt. Eltern räumen die Spielsachen ihrer Kinder auf, weil sie sich Harmonie wünschen und einen Konflikt ums Aufräumen vermeiden wollen. Sie binden schnell die Schnürsenkel ihres siebenjährigen Kindes, weil sie es eilig haben, zu einem Termin zu kommen und keine Zeit bleibt, die eigenen Versuche des Kindes zuzulassen.

Eine, wenn nicht die zentrale Frage ist jene nach den „echten“ Bedürfnissen von Kindern. Was sollte erfüllt sein, damit es dem Kind gut geht und es sich seinen Anlagen gemäß optimal entwickeln kann? Es würde Eltern sehr viel leichter fallen, Verwöhnfallen aus dem Weg zu gehen oder diese rechtzeitig zu erkennen, wenn sie sicher wären, dass die Bedürfnisse des Kindes erfüllt sind und es „nichts mehr braucht“.

Die Bedürfnisse des Kindes unterscheiden sich im Wesentlichen nicht von den Grundbedürfnissen jedes Menschen. Grawe, Maslow, Max Neef  und Marshall Rosenberg sind nur einige der Menschen die sich mit den Grundbedürfnissen beschäftigt haben.

 

Thomas Berry Brazelton und Stanley I. Greenspan (Kinderärzte und Entwicklungspsychologen) haben dies für Kinder konkretisiert.

Kinder, so sagen sie, brauchen:

  • „beständige liebevolle Beziehungen“;
  • „körperliche Unversehrtheit, Sicherheit und Regulation“;
  • „Erfahrungen, die auf individuelle Unterschiede zugeschnitten sind“;
  • „entwicklungsgerechte Erfahrungen“;
  • „Grenzen und Strukturen“;
  • „stabile, unterstützende Gemeinschaften“ und „kulturelle Kontinuität“;
  • ein globales Verantwortungsbewusstsein, das auch die Kinder in armen Ländern einbezieht.

In der Waldorfpädagogik sind die Grundbedürfnisse des Kindes Arbeitsgrundlage. Unsere ganze Kindergartenarbeit baut darauf auf.

 

 

Aber wie kommt man aus dem Verwöhnkarussell wieder raus?

Der Ausstieg aus dieser Situation scheint Ihnen schwierig, ja unmöglich?  Pädagogen und Psychologen betonen jedoch, dass eine Änderung des Verhaltens jederzeit möglich ist. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die Eltern sich entscheiden, es fortan wirklich anders zu machen.

Wer sich entscheidet, sein Verhalten zu ändern, sollte mit einem kleinen Schritt beginnen und dann nach und nach weitere folgen lassen. Zum Beispiel. Ab jetzt gilt die Regel, beim Einkaufen gibt es nur eine Sache, z.B. aus dem Kühlregal etc.  – keine Spielsachen etc.

Oder das Kind bekommt erst mal eine kleine Aufgabe, z.B. beim Tischdecken zu helfen, oder seine Sachen ab jetzt immer auf den neuen Haken zu hängen….

Wer dabei Hilfe braucht, der kann sich gerne auch an uns wenden.

Wir gehen den Weg gerne mit Ihnen und Ihrem Kind gemeinsam.

 

Schließlich und endlich wollen wir alle den Kindern die Möglichkeit geben, sich eigenständig zu organisieren und selbstverantwortlich zu sein für das, was sie tun. Und wenn es nur darum geht sich einen Stuhl zu holen…..

 

Weitere Gedanken dazu…..

http://www.erziehungskunst.de/artikel/fruehe-kindheit/verwahrlosung-im-glitzerlook/

Literatur.  Albert Wunsch.“ Die Verwöhnfalle“

Theresia Maria de Jong und Michaela Köster  „Ist mein Kind denn zu verwöhnt“ Rudolf Dreikurs „Kinder fordern uns heraus“

Monika-Kiel-Hinrichsen.“ Warum Kinder nicht zuhören“

Christiane Kutik. http://www.spielundzukunft.de/was-kinder-brauchen-erziehungsfragen-von-a-z/1495-verwoehnen-was-kindern-gut-tut-und-was-ihnen-schadet

Uli Albrecht 

 

DIE KINDERGARTENBÜCHEREI

 

Kinder lieben Bücher, sie entführen sie in eine bunte Bilderwelt, erzählen spannende Geschichten und vermitteln Wissen. Bücher bieten Kindern eine Fülle lebendiger Erfahrungen. Die Freude an den Geschichten wird noch erhöht, wenn wir Erwachsenen uns Zeit nehmen und uns aktiv an der Betrachtung der Bücher beteiligen.

Unsere Bibliothek wird von uns Eltern organisiert und betreut. Es besteht die Möglichkeit Sachbücher zu Erziehungsfragen, Bücher zur Waldorfpädagogik und Anthroposophie, Bücher zur Ernährung, Bastelbücher sowie Bilderbücher, Märchen- und Vorlesebücher auszuleihen.

 

Unsere Öffnungszeiten sind:

Dienstags von 8:00 – 8:30 Uhr

Freitags von 8:00 – 8:30 Uhr

 

Die ausgeliehenen Bücher können nach 4 Wochen zurückgegeben oder nochmals um weitere 4 Wochen verlängert werden.

Wenn die Bücher außerhalb der Öffnungszeiten zurückgebracht werden, können diese im Ruheraum (gegenüber vom Putzraum) in das Regal gelegt werden.

In der Eingangshalle des Kindergartens steht eine Vitrine, in der wir passend zu den Jahreszeiten und –festen viele schöne, interessante oder auch spannende Bücher vorstellen.

Für die aktuelle Flurpost haben wir uns drei Bücher ausgesucht, die wir Euch gern am Schluss vorstellen möchten.

Wir freuen uns auf Euch. Gern beraten wir Euch auch bei der Auswahl der Bücher. Für Buchvorschläge sind wir dankbar und nehmen diese gern in unsere Sammlung auf.

Vielen Dank!

 

Andrea Schulna    Ute Fenners    Kristina Krohn    Vienna Kuntz

 

Das Jahreszeitenbuch

Dieses Buch ist ein Begleiter durch das Jahr. Es möchte Eltern und Erziehern Anregungen zu praktischen Tätigkeiten mit den Kindern geben und zeigen, wie die Jahresfeste gemeinsam mit den Kindern sinnvoll gestaltet werden können. Dabei wird der Jahreslauf in unserem Erleben zu einem lebendigen Organismus – jegliches Spiel, jede Mahlzeit, jede kleine Geschichte bekommt durch die Einordnung in den Jahreslauf und den Bezug zu den Jahresfesten einen tieferen Sinn.

 

Wackeln die Zähne –wackelt die Seele

Nur wenige Eltern rechnen damit, dass die Zeit des Zahnwechsels eine harte Probe für die Beziehung zu ihrem Kind werden kann. Das Buch gibt hilfreiche Tipps, wie man diese Zeit am besten meistern kann. Viele Eltern wissen aus eigener Erfahrung zu berichten, dass Kinder ungefähr ab sechseinhalb Jahren oft besonders schwierig sind und dass deutliche Veränderungen an und in ihnen vorgehen. All das sind Anzeichen dafür, dass diese Zeit von wesentlich tiefer greifenden Entwicklungsschritten begleitet ist, als nur dem äußerlich sichtbaren Hervortreten der bleibenden Zähne.

Die Waldorfpädagogin Monika Kiel-Hinrichsen und die Zahnärztin Renate Kviske möchten sowohl aus pädagogischer als auch aus zahnmedizinischer Sicht ein tieferes Verständnis dafür bilden, was in den Kindern während des Übergangs ins zweite Jahrsiebt vor sich geht, und geben den Eltern mit Erziehungsratschlägen, Spielanleitungen und praktischen Tipps, zum Beispiel zur Auswahl von geeigneten Märchen, konkrete Hilfestellungen, damit sie ihren Kindern diesen Schritt in einen neuen Lebensabschnitt erleichtern können. 

 

Lasse im Blaubeerland

Im Zwergenreich: Der Knabe Lasse möchte für seine Mutter zum Geburtstag ein Körbchen mit Waldbeeren sammeln. Er findet jedoch keine und ist traurig darüber. Da nimmt ihn der Blaubeerenkönig mit in sein Reich. Dort hat Lasse mit den Zwergenkindern sehr viel Spass, denn sie reiten auf Mäusen und wippen auf einer Spinnwebenschaukel. Zum Schluss erhält er ein Körbchen Blau-und Preiselbeeren, welche der Blaubeerenfürst und die Preiselbeermutter mit ihren Söhnen und Töchtern emsig für ihn gesammelt haben. Neben den Wichtelkindern ist dies wohl Elsa Beskows bekannteste Geschichte. Der kleine Lasse erlebt lustige und kurzweilige Stunden im Blaubeerland und kehrt reich beschenkt in die Menschenwelt zurück. Die differenzierte Strahlkraft der Bilder, aber auch die charmanten Reime lassen die scheinbar altbekannte Geschichte in völlig neuem Licht erscheinen. Eine echte Entdeckung!  

 

 

DER SEPTEMBER

Das ist ein Abschied mit Standarten

aus Pflaumenblau und Apfelgrün.

Goldlack und Astern flaggt der Garten,

und tausend Königskerzen glühn.

 

Das ist ein Abschied mit Posaunen,

mit Erntedank und Bauernball.

Kuhglockenläutend ziehn die braunen

und bunten Herden in den Stall.

 

Das ist ein Abschied mit Gerüchen

aus einer fast vergessenen Welt.

Mus und Gelee kocht in den Küchen.

Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

 

Das ist ein Abschied mit Getümmel,

mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.

Luftschaukeln möchten in den Himmel.

Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

 

Die Stare gehen auf die Reise.

Altweibersommer weht im Wind.

Das ist ein Abschied laut und leise.

Die Karussells drehn sich im Kreise.

Und was vorüber schien, beginnt.

 

Erich Kästner